„Noch fyndt man narren manigfalt …“

So beginnt ein Vers aus Sebastian Brants 1494 gedrucktem Narrenschiff (LVI. von end des gewalttes). Narren findet man aber nicht nur in der Literatur, als Buchmalereien, auf Spielkarten oder Epitaphien etc., sondern auch auf Reliefverzierung auf Ofenkeramik (z.B. aus Bozen/Südtirol oder in der Region Franken). Ein besonders schönes Beispiel stammt aus der Maximilanstube von Schloss Tratzberg/Tirol. Zusammen mit einem Zinnenkranz bildet eine Reihe von Blattkacheln mit der Darstellung eines tanzenden Narren den oberen Abschluss eines Turmofens (gts. spätes 15./frühes 16. Jh.).

Dem Narren kommt im Mittelalter eine Vielzahl von Bedeutungen zu. Er wird als Sinnbild der menschlichen Einfalt verstanden, als Personifikation des lasterhaften Menschen aber auch als Warner, Berater und Kommentator. Er bewegte sich außerhalb der gesellschaftlichen Normen und konnte den Menschen einen Spiegel vorhalten. Von Kaiser Maximilian I. wissen wir, dass er seinen Hofnarr Kunz von der Rose bei wichtigen Entscheidungen um seine Meinung fragte.

Letztlich kann aber nur noch spekuliert werden, wie die Narren auf dem Tratzberger Ofen zu interpretieren sind. Leider können die Spruchbänder, die möglicherweise darüber Aufschluss gegeben hätten, nicht mehr entziffert werden. Sicher aber kam dem Ofen insgesamt eine sehr repräsentative Bedeutung zu, betrachtet man auch den Zinnenkranz mit dem feinen Maßwerk und die liegenden Löwen an den Ecken des Unterbaus.

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