Spätgotische Kleinode

.. wurden auf Schloss Tratzberg (Jenbach/Nordtirol) entdeckt. Nein, es sind keine Gold- oder Silberschätze, auch nicht kostbare Edelsteine. Vielmehr handelt es sich beim Ausgangsmaterial eigentlich um ein Verwitterungsprodukt, eine Akkumulation von Tonmineralien mit intentionellen Zuschlägen, das unter hohen Temperaturen in einer oxidierenden Atmosphäre gehärtet wurden. Anders ausgedrück: Hier ist von Ofenkeramik die Rede!

Bei einem Besuch auf Schloss Tratzberg bekam ich einen Einblick in die umfassende furnologische Sammlung des Hauses, unter der sich viele interessante Stücke befanden. Auf den ersten Blick aber stachen sechs Nischenkacheln hervor, einerseits aufgrund ihrer besonders aufwendigen Produktionsweise, andererseits wegen ihres hervorragenden Erhaltungszustandes. Die Ofenkacheln lassen sich in zwei Motivgruppen zu je drei Stück unterteilen. Alle Kacheln sind mit einem profilierten Rahmen und je drei ausgeschnittenen, umgekehrten Herzmotiven im oberen Bereich versehen. Auf den gewölbten Innenseiten ist eine männliche Person mit langem, faltenreichen Gewand, Bart und seitlichem Spruchband zu sehen, das aber leider nicht mehr zu entziffern ist. Die Dargestellten befinden sich innerhalb eines fein reliefierten Architetkurrahmens mit Spitzbogen, Wimpergen, Maßwerk und Kreuzblume. 

Vergleiche und die ikonografischen Betrachtungen, die dem allgemeinen Formenschatz des späten 15. Jahrhunderts entsprechen, machen eine Datierung der Nischenkacheln am Ende des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich.

Diese beeindruckenden Ofenkacheln veranschaulichen sehr eindrücklich den repräsentativen Charakter eines Ofens, der aus dergleichen Kacheln hergestellt wurde. Denn neben seine primären Funktion als Heizung, kommt dem Kachelofen auch eine große Bedeutung als Repräsentationsobjekt innerhalb des Raumes zu. In diesem Fall wählte der Auftraggeber ein religiöses Motiv, da es sich bei den abgebildeten Personen um Propheten handeln dürfte (links: ev. Moses). Damit wurde der Ofen zum Bildträger und für jeden sichtbarer Ausdruck der persönlichen Frömmigkeit.

Mehr nachzulesen gibt`s in der Onlinezeitschrift Historische Archäologie.

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